CDS II/21 – Urkundenbuch der Stadt Zwickau, Bd. 1/1: 1118–1485, ed. Steinführer (2014)

Urkundenbuch der Stadt Zwickau, bearb. von Jens Kunze und Henning Steinführer. Erster Teil: Die urkundliche Überlieferung 1118–1485. Bd. 1: 1118–1399, bearb. von Henning Steinführer (CDS II/21), Peine 2014

Nach zahlreichen Anläufen, die allesamt in den 1950er Jahren erfolglos im Sande verlaufen waren, gelang Jens Kunze und Henning Steinführer die Edition des Zwickauer Urkundenbuchs in drei Bänden. (Der letzte Teil ist aktuell im Druck.) Damit schlossen sie eine empfindliche Lücke, zählte Zwickau doch zu den wichtigsten mittelalterlichen Städten in Sachsen. Der vorliegende, von Henning Steinführer bearbeitete Band ist den älteren Urkunden, aber auch Briefen und weiteren wichtigen Aktenstücken zur Zwickauer Geschichte von der namentlichen Ersterwähnung bis zum Ende des 14. Jahrhunderts gewidmet. Seine Edition zählt 225 Nummern, von denen etwa ein Viertel bislang ungedruckte Neufunde sind, und setzt mit der Urkunde des zuständigen Naumburger Bischofs ein, der im Jahr 1118 „in territorio […] Zcwickaw“ eine Pfarrkirche geweiht sowie deren Sprengel umschrieben und den Zehnten geordnet hat. Anhand der weiteren Urkunden lässt sich der Ausbau der Siedlung zur Stadt während des 12. und 13. Jahrhunderts im Spanungsfeld reichsgeschichtlicher Interessen verfolgen. Dem Band ist sowohl ein Register der Orts- und Personennamen als auch ein Sachregister beigegeben.


Der Codex diplomaticus Saxoniae stellt die Urkunden und das urkundenähnliche Schriftgut des mitteldeutschen Raums in wissenschaftlich verlässlichen Ausgaben bereit. Das „Sächsische Urkundenbuch“ (so die deutsche Bezeichnung) ist das grundlegende und unentbehrliche Hilfsmittel für die Erforschung Sachsens und der angrenzenden Territorien. Denn deren mittelalterliche Geschichte erschließt sich zu einem beträchtlichen Teil aus der urkundlichen Überlieferung. Das Urkundenwerk wurde 1860/61 als Codex diplomaticus Saxoniae regiae begründet und ist als Serie von einzelnen Editionen angelegt. Rasch erwarb sich der Codex den Respekt der gelehrten Fachwelt. Bis heute wird er im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung herausgegeben. Aktuell sind im Codex etwa 12.500 Urkunden erfasst und ediert. Seine Fortführung gehört zu den ehrgeizigsten Editionsvorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland.


Im Hauptteil II des Codex diplomaticus Saxoniae wird die urkundliche und urkundenähnliche Überlieferung der Städte und geistlichen Institutionen in Sachsen, also der Klöster und Stifte, aber zum Beispiel auch der Universität Leipzig erfasst. Die Publikationen dieses Hauptteils sind institutionell nach dem Pertinenzprinzip angelegt. Nach der Vorgabe von Ernst Gotthelf Gersdorf (1804–1874), dem Dresdner Bibliothekar, Leipziger Oberbibliothekar und Initiator des Codex, sollte die städtische Überlieferung jeweils bis zur Leipziger Teilung des Jahres 1485 in das ernestinische Kurfürstentum Sachsen und das albertinische Herzogtum Sachsen ediert werden, während für die geistlichen Institutionen die Reformation als Zeitgrenze galt. Die Urkunden der Klöster und Stifte wurden getrennt von der städtischen Überlieferung und jeweils in gesonderten Abschnitten der einzelnen Bände ediert.


Seit der Frühzeit des Codex-Unternehmens sieht man die Herausgabe von Urkundenbüchern zu den sächsischen Städten als vordringliche Aufgabe an. Dennoch war seit dem Band für die Stadt Grimma (CDS II/15), den Ludwig Schmidt (1862–1944) im Jahr 1895 vorgelegt hatte, weit über 100 Jahre lang kein städtisches Urkundenbuch mehr im Codex erschienen. Das dreiteilige Urkundenbuch der Stadt Zwickau konnte 2005 als DFG-finanziertes Drittmittelprojekt am Lehrstuhl für Sächsische und Vergleichende Landesgeschichte der Universität Leipzig bei Enno Bünz in Angriff genommen werden. Dabei wurden die Urkunden getrennt vom Stadtbuch veröffentlicht (CDS II/20).


Das traditionsreiche Editionsvorhaben des Codex diplomaticus Saxoniae wird seit 2002 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fortgesetzt. Das Vorhaben und die aktuellen Arbeiten werden auf den Projektseiten der beiden Institutionen näher beschrieben.


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Urkundenabbildung zum Band

Zwickau in der Stadtansicht von Wilhelm Dilich, um 1627/29 (SLUB Dresden, Mscr.Dresd.J.291; Paul Emil Richter/Christian Krollmann (Hg.), Wilhelm Dilichs Federzeichnungen, 1907, Bd. 2, Taf. 4).

Urkundenabbildung zum Band

St. Katharinen in Zwickau in einer Litographie nach C. Mittenzwei, um 1860 (SLUB Dresden, Kartensammlung, KS B B3312, Fotos: © SLUB Dresden, Deutsche Fotothek, 70402065).

Urkundenabbildung zum Band

St. Marien in Zwickau in einer Litographie nach C. Mittenzwei, um 1860 (SLUB Dresden, Kartensammlung, KS B3308, Fotos: © SLUB Dresden, Deutsche Fotothek, 70402066).