CDS II/20 – Urkundenbuch der Stadt Zwickau, Bd. 2: Das älteste Stadtbuch 1375–1481, ed. Kunze (2012)
Urkundenbuch der Stadt Zwickau, bearb. von Jens Kunze und Henning Steinführer. Zweiter Teil: Das älteste Stadtbuch 1375–1481, bearb. von Jens Kunze (CDS II/20), Hannover 2012
Nach gut 60jähriger Unterbrechung markierten die Veröffentlichungen des Registerbandes zu CDS I/A 3 und des vorliegenden Urkundenbuchs den Wiederbeginn der Arbeiten am Codex diplomaticus Saxoniae. Ausgehend vom einstigen Altzeller Klosterarchiv, dessen Urkunden heute in Dresden im Hauptstaatsarchiv in den chronologisch geordneten Bestand der „Älteren Urkunden“ eingegliedert sind, konnte Tom Graber in mehr als 40 Archiven und Handschriftenbibliotheken des In- und Auslandes zum Teil bisher unbekanntes Material zur Klostergeschichte ermitteln und in der originalen Überlieferung berücksichtigen. Hinzuweisen ist auf die kommentierte Zusammenstellung der nicht-urkundlichen Überlieferung zu den Anfängen des Klosters (S. XIII-XX).
Tom Graber setzte seine Editionstätigkeit für den Codex mit den in Dresden im Hauptstaatsarchiv überlieferten Papsturkunden fort (CDS III/1), bevor er sich dem ersten Hauptteil zuwandte (CDS I/A 4-5). In der Geschichte des Codex-Unternehmens ist er damit der einzige Bearbeiter, der für alle drei Hauptteile gearbeitet hat.
Der Codex diplomaticus Saxoniae stellt die Urkunden und das urkundenähnliche Schriftgut des mitteldeutschen Raums in wissenschaftlich verlässlichen Ausgaben bereit. Das „Sächsische Urkundenbuch“ (so die deutsche Bezeichnung) ist das grundlegende und unentbehrliche Hilfsmittel für die Erforschung Sachsens und der angrenzenden Territorien. Denn deren mittelalterliche Geschichte erschließt sich zu einem beträchtlichen Teil aus der urkundlichen Überlieferung. Das Urkundenwerk wurde 1860/61 als Codex diplomaticus Saxoniae regiae begründet und ist als Serie von einzelnen Editionen angelegt. Rasch erwarb sich der Codex den Respekt der gelehrten Fachwelt. Bis heute wird er im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung herausgegeben. Aktuell sind im Codex etwa 12.500 Urkunden erfasst und ediert. Seine Fortführung gehört zu den ehrgeizigsten Editionsvorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland.
Im Hauptteil II des Codex diplomaticus Saxoniae wird die urkundliche und urkundenähnliche Überlieferung der Städte und geistlichen Institutionen in Sachsen, also der Klöster und Stifte, aber zum Beispiel auch der Universität Leipzig erfasst. Die Publikationen dieses Hauptteils sind institutionell nach dem Pertinenzprinzip angelegt. Nach der Vorgabe von Ernst Gotthelf Gersdorf (1804–1874), dem Dresdner Bibliothekar, Leipziger Oberbibliothekar und Initiator des Codex, sollte die städtische Überlieferung jeweils bis zur Leipziger Teilung des Jahres 1485 in das ernestinische Kurfürstentum Sachsen und das albertinische Herzogtum Sachsen ediert werden, während für die geistlichen Institutionen die Reformation als Zeitgrenze galt. Die Urkunden der Klöster und Stifte wurden getrennt von der städtischen Überlieferung und jeweils in gesonderten Abschnitten der einzelnen Bände ediert.
Seit der Frühzeit des Codex-Unternehmens sieht man die Herausgabe von Urkundenbüchern zu den sächsischen Städten als vordringliche Aufgabe an. Dennoch war seit dem Band für die Stadt Grimma (CDS II/15), den Ludwig Schmidt (1862–1944) im Jahr 1895 vorgelegt hatte, weit über 100 Jahre lang kein städtisches Urkundenbuch mehr im Codex erschienen. Das dreiteilige Urkundenbuch der Stadt Zwickau konnte 2005 als DFG-finanziertes Drittmittelprojekt am Lehrstuhl für Sächsische und Vergleichende Landesgeschichte der Universität Leipzig bei Enno Bünz in Angriff genommen werden. Dabei wurde das Stadtbuch getrennt von den Urkunden veröffentlicht (CDS II/21). Insoweit knüpft die Ausgabe an die jüngst außerhalb des Codex publizierten Editionen der aus dem sächsischen Raum überlieferten städtischen Amtsbücher von Leipzig und Dresden an.
Das traditionsreiche Editionsvorhaben des Codex diplomaticus Saxoniae wird seit 2002 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fortgesetzt. Das Vorhaben und die aktuellen Arbeiten werden auf den Projektseiten der beiden Institutionen näher beschrieben.
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Zwickau in der Stadtansicht von Wilhelm Dilich, um 1627/29 (SLUB Dresden, Mscr.Dresd.J.291; Paul Emil Richter/Christian Krollmann (Hg.), Wilhelm Dilichs Federzeichnungen, 1907, Bd. 2, Taf. 4).
Siegel des Franziskanerkonvents St. Marien zu Zwickau (Emil Herzog, Chronik der Kreisstadt Zwickau, Bd. 1, 1839, Taf. V Nr. 1).