CDS II/7 – Urkundenbuch der Städte Kamenz und Löbau, ed. Knothe (1883)

Urkundenbuch der Stadt Kamenz und Löbau, hrsg. von Hermann Knothe (CDS II/7), Leipzig 1883

Das „Sächsische Urkundenbuch“ (Codex diplomaticus Saxoniae regiae) berücksichtigt auch die Oberlausitz. Hermann Friedrich Knothe (1821–1903) bearbeitete in zwei getrennten Abschnitten die Urkunden der Städte Kamenz und Löbau. Die Überlieferung der beiden Franziskanerklöster St. Anna und Bernhardin in Kamenz sowie Heilig Kreuz in Löbau wurde (anders als in früheren Urkundenbüchern des Codex) chronologisch in die Reihe der städtischen Urkunden eingefügt. Auch die Urkunden des Zisterzienserinnenklosters St. Marienstern, über dessen Geschichte Knothe 1871 eine Monographie publiziert hatte, nahm er in streng begrenzter Auswahl in seine Edition auf. Als deren zeitlichen Endpunkt wählte er den Oberlausitzer Pönfall von 1547, also die Bestrafung des Oberlausitzer Sechsstädtebundes durch den böhmischen König und nachmaligen Kaiser Ferdinand I., und ging im Einzelfall sogar noch darüber hinaus, unter anderem dort, wo die Klostergebäude an die Städte zu Schulzwecken übergeben wurden.


Der Codex diplomaticus Saxoniae stellt die Urkunden und das urkundenähnliche Schriftgut des mitteldeutschen Raums in wissenschaftlich verlässlichen Ausgaben bereit. Das „Sächsische Urkundenbuch“ (so die deutsche Bezeichnung) ist das grundlegende und unentbehrliche Hilfsmittel für die Erforschung Sachsens und der angrenzenden Territorien. Denn deren mittelalterliche Geschichte erschließt sich zu einem beträchtlichen Teil aus der urkundlichen Überlieferung. Das Urkundenwerk wurde 1860/61 als Codex diplomaticus Saxoniae regiae begründet und ist als Serie von einzelnen Editionen angelegt. Rasch erwarb sich der Codex den Respekt der gelehrten Fachwelt. Bis heute wird er im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung herausgegeben. Aktuell sind im Codex etwa 12.500 Urkunden erfasst und ediert. Seine Fortführung gehört zu den ehrgeizigsten Editionsvorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland.


Im Hauptteil II des Codex diplomaticus Saxoniae wird die urkundliche und urkundenähnliche Überlieferung der Städte und geistlichen Institutionen in Sachsen, also der Klöster und Stifte, aber zum Beispiel auch der Universität Leipzig erfasst. Die Publikationen dieses Hauptteils sind institutionell nach dem Pertinenzprinzip angelegt. Nach der Vorgabe von Ernst Gotthelf Gersdorf (1804–1874), dem Dresdner Bibliothekar, Leipziger Oberbibliothekar und Initiator des Codex, sollte die städtische Überlieferung jeweils bis zur Leipziger Teilung des Jahres 1485 in das ernestinische Kurfürstentum Sachsen und das albertinische Herzogtum Sachsen ediert werden, während für die geistlichen Institutionen die Reformation als Zeitgrenze galt. Die Urkunden der Klöster und Stifte wurden getrennt von der städtischen Überlieferung und jeweils in gesonderten Abschnitten der einzelnen Bände ediert.


Zeitgleich mit Urkundenbuch der Städte Kamenz und Löbau veröffentlichte Hubert Ermisch (1850–1932) den ersten Band des Freiberger Urkundenbuchs (CDS II/12). Zur Geschichte der im vorliegenden Band berücksichtigten Franziskanerklöster und des Zisterzienserinnenkloster St. Marienstern siehe Sächsisches Klosterbuch, hgg. von Enno Bünz / Sabine Zinsmeyer u.a., 2025, Bd. 2, S. 571-592, S. 795-808 und S. 809-868.


Das traditionsreiche Editionsvorhaben des Codex diplomaticus Saxoniae wird seit 2002 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fortgesetzt. Das Vorhaben und die aktuellen Arbeiten werden auf den Projektseiten der beiden Institutionen näher beschrieben.


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Urkundenabbildung zum Band

Die wendische Kirche St. Johannis in Löbau (ehem. Franziskanerklosterkirche) von Südosten (Foto: Michael Schmidt, 2022).

Urkundenabbildung zum Band

Westfassade der ehemaligen Franziskanerklosterkiche St. Anna und Bernhardin in Kamenz (Foto: Christian Schuffels).

Urkundenabbildung zum Band

Das älteste Stadtsiegel von Löbau.