CDS II/6 – Urkundenbuch der Stadt Chemnitz und ihrer Klöster, ed. Ermisch (1879)

Urkundenbuch der Stadt Chemnitz und ihrer Klöster, hrsg. von Hubert Ermisch (CDS II/6), Leipzig 1879

In dem ersten Band, den er für das „Sächsische Urkundenbuch“ (den Codex diplomaticus Saxoniae regiae) edierte, beschränkte Hubert Ermisch (1850–1932) sich beim Chemnitzer Urkundenbuch nicht nur auf die städtischen Fonds, sondern versuchte darüber hinaus, alle Urkunden, die Chemnitz als Stadt betreffen, bis zur Leipziger Teilung von 1485 zu berücksichtigen, und nahm zahlreiche nicht genau datierbare Stücke des 15. Jahrhunderts in die Edition auf. Nach dem Vorbild älterer Bände wurden die Urkunden der beiden Chemnitzer Klöster getrennt von der städtischen Überlieferung und jeweils in gesonderten Abschnitten bis zur Einführung der Reformation ediert. Berücksichtigt wurden zum einen das Benediktinerkloster St. Marien, eines der letzten Klöster nach der Regula s. Benedicti, die auf dem Gebiet des mittelalterlichen Deutschen Reiches gegründet wurden – es wurde 1540 aufgehoben –, sowie zum anderen das erst 1485 eingerichtete und bereits 1540 wieder verlassene Franziskanerkloster St. Marien und Andreas. Besondere Beachtung verdienen die beiden Anhänge, in denen Ermisch das in zwei Codices überlieferte Nekrolog des Benediktinerklosters St. Marien (S. 470-482) und das von den Sequestratoren des Franziskanerklosters in Chemnitz 1451 aufgestellte Verzeichnis (S. 457-469) ediert hat.


Der Codex diplomaticus Saxoniae stellt die Urkunden und das urkundenähnliche Schriftgut des mitteldeutschen Raums in wissenschaftlich verlässlichen Ausgaben bereit. Das „Sächsische Urkundenbuch“ (so die deutsche Bezeichnung) ist das grundlegende und unentbehrliche Hilfsmittel für die Erforschung Sachsens und der angrenzenden Territorien. Denn deren mittelalterliche Geschichte erschließt sich zu einem beträchtlichen Teil aus der urkundlichen Überlieferung. Das Urkundenwerk wurde 1860/61 als Codex diplomaticus Saxoniae regiae begründet und ist als Serie von einzelnen Editionen angelegt. Rasch erwarb sich der Codex den Respekt der gelehrten Fachwelt. Bis heute wird er im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung herausgegeben. Aktuell sind im Codex etwa 12.500 Urkunden erfasst und ediert. Seine Fortführung gehört zu den ehrgeizigsten Editionsvorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland.


Im Hauptteil II des Codex diplomaticus Saxoniae wird die urkundliche und urkundenähnliche Überlieferung der Städte und geistlichen Institutionen in Sachsen, also der Klöster und Stifte, aber zum Beispiel auch der Universität Leipzig erfasst. Die Publikationen dieses Hauptteils sind institutionell nach dem Pertinenzprinzip angelegt. Nach der Vorgabe von Ernst Gotthelf Gersdorf (1804–1874), dem Dresdner Bibliothekar, Leipziger Oberbibliothekar und Initiator des Codex, sollte die städtische Überlieferung jeweils bis zur Leipziger Teilung des Jahres 1485 in das ernestinische Kurfürstentum Sachsen und das albertinische Herzogtum Sachsen ediert werden, während für die geistlichen Institutionen die Reformation als Zeitgrenze galt. Die Urkunden der Klöster und Stifte wurden getrennt von der städtischen Überlieferung und jeweils in gesonderten Abschnitten der einzelnen Bände ediert.


Das Chemnitzer Urkundenbuch bedeutete einen immensen Zuwachs an historischem Wissen, weil nur etwa ein Fünftel der Texte bisher überhaupt bekannt gewesen war. Einbezogen wurden auch Stadtbuchaufzeichnungen und Akten. Unabdingbare Voraussetzung der Edition waren das für die historische Forschung aufgeschlossene städtische Umfeld und die Unterstützung durch den Chemnitzer Geschichtsverein.
Hubert Ermisch (1850–1932) war an insgesamt acht Bänden des Codex beteiligt, zunächst im Hauptteil II (CDS II/6 und 12-14), bevor er sich Anfang der 1890er Jahre den jüngeren Fürstenurkunden im ersten Hauptteil zuwandte (CDS I/B 1-4). Nachträge: Hubert Ermisch, Nachträge zum Urkundenbuch der Stadt Chemnitz, in: NASG 2 (1881), S. 290-311. http://digital.slub-dresden.de/id32627950Z 
Zur Entstehung des Chemnitzer Urkundenbuchs siehe Jana Lehmann, Hubert Ermisch 1850–1932, 2001, S. 75-84. Siehe ferner Jana Lehmann, Hubert Ermisch, in: Sächsische Biografie, hg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Online-Ausgabe: https://saebi.isgv.de/biografie/1350 (Stand: 27.11.2009).


Das traditionsreiche Editionsvorhaben des Codex diplomaticus Saxoniae wird seit 2002 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fortgesetzt. Das Vorhaben und die aktuellen Arbeiten werden auf den Projektseiten der beiden Institutionen näher beschrieben.


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Urkundenabbildung zum Band

Der Schlossberg in Chemnitz von Südost in einer kolorierten Radierung von 1812 (Christian Johannes Oldendorp, Die merkwürdigsten alten Burgen und Schlösser des Königreichs Sachsen, 1812, Foto: © SLUB Dresden, Deutsche Fotothek, 90085627).

Urkundenabbildung zum Band

Federzeichnung nach dem Siegel des Abts und Archidiakons Ulrich aus dem Benediktinerkloster St. Marien zu Chemnitz (HStA Dresden, 10710 Codex diplomaticus Saxoniae regiae, Nr. 106 nach dem Original vom 21.01.1341 = HStA Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 2873).

Urkundenabbildung zum Band

Das größere Siegel der Stadt Chemnitz.