CDS I/A 4 – Urkunden der Markgrafen von Meißen IV: 1235–1247, edd. Graber/Kälble (2014)

Die Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen, 4. Band: 1235–1247, bearb. von Tom Graber und Mathias Kälble (CDS I/A 4), Peine 2014

Am Ausgang des Hochmittelalters beherrschte das mächtige und einflussreiche Fürstengeschlecht der Ludowinger, mit dessen Aussterben der vorliegende Band endet, einen territorialen Komplex, der die Mitte Deutschlands wie ein Riegel durchtrennte. Zeitweilig stellten die Ludowinger in Heinrich Raspe (†1247) sogar den deutschen (Gegen-)König. Insofern spiegelt der vorliegende Band ebenso die Landes- wie die Reichsgeschichte wider und darf den Rang einer Edition der deutschen Herrscherurkunden beanspruchen.


Der Codex diplomaticus Saxoniae stellt die Urkunden und das urkundenähnliche Schriftgut des mitteldeutschen Raums in wissenschaftlich verlässlichen Ausgaben bereit. Das „Sächsische Urkundenbuch“ (so die deutsche Bezeichnung) ist das grundlegende und unentbehrliche Hilfsmittel für die Erforschung Sachsens und der angrenzenden Territorien. Denn deren mittelalterliche Geschichte erschließt sich zu einem beträchtlichen Teil aus der urkundlichen Überlieferung. Das Urkundenwerk wurde 1860/61 als Codex diplomaticus Saxoniae regiae begründet und ist als Serie von einzelnen Editionen angelegt. Rasch erwarb sich der Codex den Respekt der gelehrten Fachwelt. Bis heute wird er im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung herausgegeben. Aktuell sind im Codex etwa 12.500 Urkunden erfasst und ediert. Seine Fortführung gehört zu den ehrgeizigsten Editionsvorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland.


Im Hauptteil I des Codex diplomaticus Saxoniae werden die Urkunden der weltlichen Landesherren ediert, also der Markgrafen von Meißen, der Landgrafen von Thüringen sowie der Herzöge und Kurfürsten von Sachsen. Die Editionen berücksichtigen nach dem Aussteller- und Empfängerprinzip die original und kopial überlieferten Urkunden und die Deperdita sowohl der von den regierenden Fürsten ausgestellten und mitbesiegelten als auch der nachweislich von ihnen empfangenen Privilegien, Mandate und Briefe. In den 1880er Jahren wurde dieser Hauptteil in zwei Abteilungen aufgespalten. Der Abteilung A sind die Stücke vom Einsetzen der urkundlichen Überlieferung um die Mitte des 10. Jahrhunderts herum bis an das Ende der Regierungszeit des Thüringer Land- und Meißner Markgrafen Friedrichs III. des Strengen (†1381) vorbehalten, während die zeitlich sich unmittelbar anschließende Abteilung B mit dem Jahr 1381 und der Teilung des Erbes unter seine drei Söhne im Chemnitzer Vertrag vom 13. November 1382 einsetzt und bei der Leipziger Teilung des Jahres 1485 in das ernestinische Kurfürstentum Sachsen und das albertinische Herzogtum Sachsen enden soll. Gegenwärtig reicht der Editionsstand in Abteilung A bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts. Aus der Abteilung B, die maßgeblich durch den Historiker und Dresdner Archivar Hubert Ermisch (1850–1932) vorangetrieben wurde, liegen die Urkunden von 1381 bis 1427 vor.


Nach der Neuausrichtung des Codex-Unternehmens in den 1990er Jahren wurde die Edition der Fürstenurkunden 2009 durch den Registerband zu CDS I/A 3 und 2014 durch die Publikation des vorliegenden Bandes fortgesetzt, mit dem die erfolgreiche gemeinsame Editionstätigkeit von Tom Graber und Mathias Kälble für den Codex diplomaticus Saxoniae ihren Anfang nahm. Die Edition enthält 242 Nummern, darunter 27 Deperdita. Die entsprechend aufwendige Suche führte in 62 Archive und Bibliotheken ganz Europas und der Vereinigten Staaten. Eine Neuerung der gewichtigen Edition ist der Umfang der Illustration durch 19 ganzseitige Farbabbildungen von Urkunden auf Hochglanztafeln.
Bevor er sich dem ersten Hauptteil zuwandte, hatte Tom Graber bereits die frühen Urkunden des Klosters Altzelle (CDS II/19) und den ersten Band der im Hauptstaatsarchiv Dresden überlieferten Papsturkunden ediert (CDS III/1). In der Geschichte des Codex-Unternehmens ist er damit der einzige Bearbeiter, der für alle drei Hauptteile gearbeitet hat.


Das traditionsreiche Editionsvorhaben des Codex diplomaticus Saxoniae wird seit 2002 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fortgesetzt. Das Vorhaben und die aktuellen Arbeiten werden auf den Projektseiten der beiden Institutionen näher beschrieben.


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