CDS I/B 4 – Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen, Bd. 4: 1419–1427, edd. Ermisch/Dehne, geb. Reissig (1909)
Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen, Band IV: 1419-1427, bearb. von Hubert Ermisch und Beatrix Dehne, geb. Reissig, hrsg. von Hans Beschorner (CDS I/B 4), Leipzig/Dresden 1941
Durch die Edition der Fürstenurkunden seit dem Tod des Thüringer Land- und Meißner Markgrafen Friedrichs III. des Strengen (†1381) wurde Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend unbekanntes Urkundenmaterial erschlossen. Im vorliegenden Band lässt sich die Herrschaft der beiden Brüder Wilhelm II. des Reichen (†1425) und Friedrich IV. des Streitbaren (†1428) fassen. Herausragende historische Ereignisse sind die Kriege gegen die Hussiten und der Erwerb der Kurwürde durch Herzog Friedrich IV. bzw. (als Kurfürst) Friedrich I. den Streitbaren im Jahr 1423. Im „Vorbericht“ wird auf „die verhältnismäßig hohe Zahl von Urkunden für die Juden“ hingewiesen (S. X).
Der Codex diplomaticus Saxoniae stellt die Urkunden und das urkundenähnliche Schriftgut des mitteldeutschen Raums in wissenschaftlich verlässlichen Ausgaben bereit. Das „Sächsische Urkundenbuch“ (so die deutsche Bezeichnung) ist das grundlegende und unentbehrliche Hilfsmittel für die Erforschung Sachsens und der angrenzenden Territorien. Denn deren mittelalterliche Geschichte erschließt sich zu einem beträchtlichen Teil aus der urkundlichen Überlieferung. Das Urkundenwerk wurde 1860/61 als Codex diplomaticus Saxoniae regiae begründet und ist als Serie von einzelnen Editionen angelegt. Rasch erwarb sich der Codex den Respekt der gelehrten Fachwelt. Bis heute wird er im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung herausgegeben. Aktuell sind im Codex etwa 12.500 Urkunden erfasst und ediert. Seine Fortführung gehört zu den ehrgeizigsten Editionsvorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland.
Im Hauptteil I des Codex diplomaticus Saxoniae werden die Urkunden der weltlichen Landesherren ediert, also der Markgrafen von Meißen, der Landgrafen von Thüringen sowie der Herzöge und Kurfürsten von Sachsen. Die Editionen berücksichtigen nach dem Aussteller- und Empfängerprinzip die original und kopial überlieferten Urkunden und die Deperdita sowohl der von den regierenden Fürsten ausgestellten und mitbesiegelten als auch der nachweislich von ihnen empfangenen Privilegien, Mandate und Briefe. In den 1880er Jahren wurde dieser Hauptteil in zwei Abteilungen aufgespalten. Der Abteilung A sind die Stücke vom Einsetzen der urkundlichen Überlieferung um die Mitte des 10. Jahrhunderts herum bis an das Ende der Regierungszeit des Thüringer Land- und Meißner Markgrafen Friedrichs III. des Strengen (†1381) vorbehalten, während die zeitlich sich unmittelbar anschließende Abteilung B mit dem Jahr 1381 und der Teilung des Erbes unter seine drei Söhne im Chemnitzer Vertrag vom 13. November 1382 einsetzt und bei der Leipziger Teilung des Jahres 1485 in das ernestinische Kurfürstentum Sachsen und das albertinische Herzogtum Sachsen enden soll. Gegenwärtig reicht der Editionsstand in Abteilung A bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts. Aus der Abteilung B, die maßgeblich durch den Historiker und Dresdner Archivar Hubert Ermisch (1850–1932) vorangetrieben wurde, liegen die Urkunden von 1381 bis 1427 vor.
Der vorliegende Band erschien 1941 und verzichtete erstmals auf das „regiae“ im Reihentitel. Die Edition wurde noch von Hubert Ermisch (1850–1932) begonnen, der die ersten drei Bände der jüngeren Fürstenurkunden für den Codex ediert hatte (CDS I/B 1-3). Die Überarbeitung seines Manuskripts und vor allem die Drucklegung zogen sich durch den Ersten Weltkrieg und die ökonomischen Verhältnisse in der Nachkriegszeit sehr lange hin und drohten mehrfach zu scheiten; siehe dazu Jana Lehmann, Hubert Ermisch 1850–1932, 2001, S. 104-106.
Das traditionsreiche Editionsvorhaben des Codex diplomaticus Saxoniae wird seit 2002 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fortgesetzt. Das Vorhaben und die aktuellen Arbeiten werden auf den Projektseiten der beiden Institutionen näher beschrieben.
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Tumba für Kurfürst Friedrich I. den Streitbaren von Sachsen und Markgrafen von Meißen, †1428 (Dom zu Meißen, Fürstenkapelle, Inv. Neustadt/Riebel, Nr. 106, Foto: © SLUB Dresden, Deutsche Fotothek, 30139621, Manfred Thonig, 1966).
Detail aus der Deckplatte der Tumba für Kurfürst Friedrich I. den Streitbaren von Sachsen und Markgrafen von Meißen, †1428 (Dom zu Meißen, Fürstenkapelle, Inv. Neustadt/Riebel, Nr. 106, Foto: Sabine Zinsmeyer).