CDS II/12 – Urkundenbuch der Stadt Freiberg, Bd. 1: Stadt, Klöster, Stift, ed. Ermisch (1883)

Urkundenbuch der Stadt Freiberg in Sachsen, I. Band: [Stadt, Klöster und Stift], hrsg. von Hubert Ermisch (CDS II/12), Leipzig 1883

Freiberg verdankte seine Bedeutung im Mittelalter der Entdeckung von Silbererzvorkommen und dem Bergbau. Im ersten Teil des dreibändigen Werks edierte Hubert Ermisch (1850–1932) die Urkunden zur Geschichte der Stadt von der am Ende des 12. Jahrhunderts einsetzenden urkundlichen Überlieferung bis zur Leipziger Teilung von 1485 sowie getrennt davon in jeweils gesonderten Abschnitten die Überlieferung der drei Klöster und des Kollegiatstifts in der Stadt bis zur Reformation. Berücksichtigt werden: (1.) das 1480 an der seither als „Dom“ bezeichneten Pfarrkirche St. Marien eingerichtete Säkularkanonikerstift, das 1542 letztmalig urkundlich erwähnt wurde, ferner (2.) das erstmalig 1283 genannte Franziskanerkloster, für das Ermisch urkundliche Nennungen nur von 1369 bis 1537 ermitteln konnte, sowie (3.) das wahrscheinlich 1233 gegründete und 1243 erstmals urkundlich erwähnte Dominikanerkloster St. Paulus. Das Register zu den drei Bänden CDS II/12-14 findet sich in CDS II/14.


Der Codex diplomaticus Saxoniae stellt die Urkunden und das urkundenähnliche Schriftgut des mitteldeutschen Raums in wissenschaftlich verlässlichen Ausgaben bereit. Das „Sächsische Urkundenbuch“ (so die deutsche Bezeichnung) ist das grundlegende und unentbehrliche Hilfsmittel für die Erforschung Sachsens und der angrenzenden Territorien. Denn deren mittelalterliche Geschichte erschließt sich zu einem beträchtlichen Teil aus der urkundlichen Überlieferung. Das Urkundenwerk wurde 1860/61 als Codex diplomaticus Saxoniae regiae begründet und ist als Serie von einzelnen Editionen angelegt. Rasch erwarb sich der Codex den Respekt der gelehrten Fachwelt. Bis heute wird er im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung herausgegeben. Aktuell sind im Codex etwa 12.500 Urkunden erfasst und ediert. Seine Fortführung gehört zu den ehrgeizigsten Editionsvorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland.


Im Hauptteil II des Codex diplomaticus Saxoniae wird die urkundliche und urkundenähnliche Überlieferung der Städte und geistlichen Institutionen in Sachsen, also der Klöster und Stifte, aber zum Beispiel auch der Universität Leipzig erfasst. Die Publikationen dieses Hauptteils sind institutionell nach dem Pertinenzprinzip angelegt. Nach der Vorgabe von Ernst Gotthelf Gersdorf (1804–1874), dem Dresdner Bibliothekar, Leipziger Oberbibliothekar und Initiator des Codex, sollte die städtische Überlieferung jeweils bis zur Leipziger Teilung des Jahres 1485 in das ernestinische Kurfürstentum Sachsen und das albertinische Herzogtum Sachsen ediert werden, während für die geistlichen Institutionen die Reformation als Zeitgrenze galt. Die Urkunden der Klöster und Stifte wurden getrennt von der städtischen Überlieferung und jeweils in gesonderten Abschnitten der einzelnen Bände ediert.


Hubert Ermisch (1850–1932) war an insgesamt acht Bänden des Codex beteiligt. Zunächst edierte er im Hauptteil II das Chemnitzer Urkundenbuch (CDS II/6) und anschließend das dreibändige Freiberger Urkundenbuch (CDS II/12-14), bevor er sich Anfang der 1890er Jahre den jüngeren Fürstenurkunden im ersten Hauptteil zuwandte (CDS I/B 1-4). Wie in Chemnitz konnte Ermisch auch in Freiberg auf die Unterstützung aus dem städtischen Umfeld bauen. Die Texte von rund drei Viertel der 863 Nummern des vorliegenden Bandes wurde von Ermisch erstmals gedruckt. Dafür wertete er auch die Stadtbücher aus. Unter den weiteren Quellen, die er über die Urkunden hinaus zusätzlich in seine Edition aufnahm, sei die abschriftlich überlieferte Zusammenstellung der Inschriften in der Vorkapelle des Dominikanerklosters hervorgehoben (Nr. 572). Fotografien ausgewählter Siegel wurden erstmals im Codex nicht von den Originalen, sondern von Abgüssen angefertigt (S. XXXII Anm. 115).
Zur Entstehung des Freiberger Urkundenbuchs siehe ausführlich Jana Lehmann, Hubert Ermisch 1850–1932, 2001, S. 85-98, bes. S. 85-89. Siehe ferner Jana Lehmann, Hubert Ermisch, in: Sächsische Biografie, hg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Online-Ausgabe: https://saebi.isgv.de/biografie/1350 (Stand: 27.11.2009).


Das traditionsreiche Editionsvorhaben des Codex diplomaticus Saxoniae wird seit 2002 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fortgesetzt. Das Vorhaben und die aktuellen Arbeiten werden auf den Projektseiten der beiden Institutionen näher beschrieben.


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Urkundenabbildung zum Band

Chor der Stiftskirche St. Marien zu Freiberg von Süden (Foto: Sabine Zinsmeyer).

Urkundenabbildung zum Band

Epitaph des Stiftskanonikers Simon Steinhart, †1519 (Nachweis/Foto: SLUB Dresden, Deutsche Fotothek, 70230914).