CDS I/A 3 – Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen, Bd. 3: 1196–1234, ed. Posse (1898)
Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen,
III. Band: 1196–1234, hrsg. von Otto Posse (CDS I/A 3),
Leipzig 1889
Der dritte Band der im „Sächsischen Urkundenbuch“ (Codex diplomaticus Saxoniae regiae) edierten Fürstenurkunden umfasst die epochale Zeitenwende von 1200. Nach dem Tod des Staufers Heinrich VI. und der folgenden Doppelwahl von 1198 machte die Kaisermacht, die Europa dominiert und deren Druck sogar das Papsttum zuletzt nicht mehr gänzlich hatte widerstehen können, in den 20jährigen Wirren des staufisch-welfischen Thronstreits denjenigen historischen Phänomenen Platz, die das spätere Mittelalter prägen sollten. Umso bedauerlicher war lange Zeit das Fehlen eines Registers für den vorliegenden Band. Diese empfindliche Lücke wurde 2009 geschlossen (CDS I/A 3 Register).
Der Codex diplomaticus Saxoniae stellt die Urkunden und das urkundenähnliche Schriftgut des mitteldeutschen Raums in wissenschaftlich verlässlichen Ausgaben bereit. Das „Sächsische Urkundenbuch“ (so die deutsche Bezeichnung) ist das grundlegende und unentbehrliche Hilfsmittel für die Erforschung Sachsens und der angrenzenden Territorien. Denn deren mittelalterliche Geschichte erschließt sich zu einem beträchtlichen Teil aus der urkundlichen Überlieferung. Das Urkundenwerk wurde 1860/61 als Codex diplomaticus Saxoniae regiae begründet und ist als Serie von einzelnen Editionen angelegt. Rasch erwarb sich der Codex den Respekt der gelehrten Fachwelt. Bis heute wird er im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung herausgegeben. Aktuell sind im Codex etwa 12.500 Urkunden erfasst und ediert. Seine Fortführung gehört zu den ehrgeizigsten Editionsvorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland.
Im Hauptteil I des Codex diplomaticus Saxoniae werden die Urkunden der weltlichen Landesherren ediert, also der Markgrafen von Meißen, der Landgrafen von Thüringen sowie der Herzöge und Kurfürsten von Sachsen. Die Editionen berücksichtigen nach dem Aussteller- und Empfängerprinzip die original und kopial überlieferten Urkunden und die Deperdita sowohl der von den regierenden Fürsten ausgestellten und mitbesiegelten als auch der nachweislich von ihnen empfangenen Privilegien, Mandate und Briefe. In den 1880er Jahren wurde dieser Hauptteil in zwei Abteilungen aufgespalten. Der Abteilung A sind die Stücke vom Einsetzen der urkundlichen Überlieferung um die Mitte des 10. Jahrhunderts herum bis an das Ende der Regierungszeit des Thüringer Land- und Meißner Markgrafen Friedrichs III. des Strengen (†1381) vorbehalten, während die zeitlich sich unmittelbar anschließende Abteilung B mit dem Jahr 1381 und der Teilung des Erbes unter seine drei Söhne im Chemnitzer Vertrag vom 13. November 1382 einsetzt und bei der Leipziger Teilung des Jahres 1485 in das ernestinische Kurfürstentum Sachsen und das albertinische Herzogtum Sachsen enden soll. Gegenwärtig reicht der Editionsstand in Abteilung A bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts. Aus der Abteilung B, die maßgeblich durch den Historiker und Dresdner Archivar Hubert Ermisch (1850–1932) vorangetrieben wurde, liegen die Urkunden von 1381 bis 1427 vor.
Dem ersten Hauptteil wandte man sich erst gut zwei Jahrzehnte nach dem Beginn des Codex-Unternehmens zu. Otto Posse (1847–1921), der in Göttingen bei Georg Waitz (1813–1886) promoviert worden war, wirkte seit 1874 in Dresden und stieg bis zum Archivdirektor auf. Berühmt wurde er unter anderem für seine siegelkundlichen und genealogischen Studien. Im Codex ist ihm die dreibändige Edition der landesherrlichen Fürstenurkunden bis zum Jahr 1234 zu verdanken, die heute als Abteilung A des ersten Hauptteils gezählt wird (CDS I/A 1-3).
Siehe Tom Graber, Otto Posse, in: Sächsische Biografie, hg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Online-Ausgabe: https://saebi.isgv.de/biografie/3193 (Stand: 14.06.2004).
Das traditionsreiche Editionsvorhaben des Codex diplomaticus Saxoniae wird seit 2002 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig fortgesetzt. Das Vorhaben und die aktuellen Arbeiten werden auf den Projektseiten der beiden Institutionen näher beschrieben.
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Der Meißner Burgberg von Süden (Foto: Sabine Zinsmeyer).